Der Teufelsbrunnen und das Teufelshaus

Wie es sich für ein Dorf gehört, wartet Einöd mit einer eigenen Spukgeschichte auf, die nachts am Lagerfeuer eines Jugendzeltlagers mächtig Stimmung verbreiten kann.
Beide gefundenen Versionen sollen wiedergegeben werden, und auch das Geschichtliche kommt nicht zu kurz.

Version 1

"Im Schwarzbachtal zwischen Bubenhausen und Einöd, dem Kaplaneihof gegenüber, liegt im Wiesental ein birkenüberstandener Brunnen. Regungslos steht sein Wasser. Man merkt es nicht, dass es quillt und abfließt.
An den Brunnen knüpft sich eine Sage, die ihm auch seinen Namen gegeben hat: der Teufelsbrunnen.
Ein reiches Wirtstöchterlein in Einöd liebte einen armen Burschen und schwur ihm ewige Treue. Während jedoch der Bursche auf längere Zeit in der Fremde weilte, hielt ein reicher Kaufmann um das schöne Mädchen an. Es bedurfte nicht vieler Zureden der Verwandten, um das Mädchen willens zu machen. Schon war der Hochzeitstag bestimmt, da kehrte der arme Bursche plötzlich heim.
Es wollte es anfangs nicht glauben, dass sein Mädchen ihm treulos geworden. Aus ihrem Munde wollte er es hören. Es gelang ihm auch nach vieler Mühe, sie allein zu sprechen. Als sie ihm kühl erklärte, zwischen ihnen sei es fertig und aus, da packte ihn der Zorn. Er verwünschte das kalte, treulose Ding:
"An deinem Hochzeitstag soll dich der Teufel holen!"
Das Mädchen lachte darüber. Als gar der Bursche sofort aus dem Dorfe verschwand und sich nicht mehr sehen ließ, schien es für die Brauch keinen Grund mehr zu geben, die Hochzeit zu fürchten. Sie trug stolz und frohgemut ihr Kränzlein zur Kirche und saß später lachend im Kreise der zahlreichen Gäste.
Inzwischen war die Sonne verschwunden. Im flackernden Schein der Unschlittkerzen und Kienspäne sah die Wirtsstube wunderlich aus. Zu den Nebenräumen hatte man die Türen ausgehängt, um den Verkehr nach der Wirtsstube, die in der Mitte zum Tanz freigemacht war, weniger zu hindern. Rundum saßen Weiber und Kinder. Die Männer drängten sich mehr nach der Einschenke, während sich das Jungvolk in den Nebenräumen vergnügte. Da erhob sich der Bräutigam und gab das Zeichen zum Tanz; er fasste die Braut bei der Hand uns stellte sich in die vorderste Reihe der Tänzer. Die Geigen jubelten, das Jungvolk schrie.
Da donnerte mit einem furchtbaren Schlag, wie wenn ein Sturmbock gegen Burgtore prellt, das Fenster vom Hof aus in die Stube herein. Fensterkreuz und Glas zersplitterte in Tausend Stücke und fuhren zwischen die erschrockenen Tänzer. Noch ehe man wusste, was eigentlich geschehen war, sprang mit einem Satz eine schwarze, schlanke Gestalt durch das offene Fenster herein.
Vor Schreck fuhr alles zurück. Die Weiber vergaßen das Schreien und erbleichten, nicht weniger die Männer, als sie mit Entsetzen gewahrten, dass der Schwarze halb vorgeneigt auf das Brautpaar schritt. Er bohrte seine stechenden Augen in die des Bräutigams, so dass dieser hilflos nach dem Fremden starrte. Die Geiger waren ebenfalls verstummt. Nur der Älteste fuhr unbewusst immer noch mit dem Bogen durch die Luft, während die Geige in der Linken schon heruntergesunken war.
Das rief der unheimliche Fremde: "Spielet auf, Spielleute. Der Tanz gilt mir und der Braut."
Zum Bräutigam wandte er sich kalt und drohend: "Ihr erlaubt doch, Gevatter!" Damit nahm er die wollenlose Braut in den Arm. Während die Geiger aus Angst doppelt lebhaft spielten, während alle erschreckt und bleich standen, riss der Fremde die Braut wirbelnd im Kreis herum, raste durch die Stube gegen das Fenster, und man sich klar war, wie das zuging, war er mit der Braut durch das Fenster verschwunden. Niemand wagte zu folgen. Der Bräutigam stand mit offenem Mund, wie wenn er einen Schrei ausstoßen wollte. Erst als ihn jemand an der Schulter rüttelte, kam wieder Leben in ihn. Geheimnisvoll flüsterte er den Nächststehenden zu: "Das war der -Gottseibeiuns! - Der hat sie geholt, weil sie einem anderen die Treue gebrochen." Entsetzt wichen die Hörer zurück und glaubten, was sie gehört hatten.
Am nächsten Tag sah man auf dem Wasser des Brunnens im Schwarzbachtal das Brautkränzlein schwimmen. Nun war es klar, dass der Teufel mit der treulosen Braut in den Brunnen gesprungen war.
Alle sieben Jahre erscheint das Kränzlein wieder.
Wer es sieht und zu sich nimmt, der wird die Treulose erlösen."

(aus: Ortsrat Einöd&AG "700 Jahre Einöd (Hrsg): Einöd, Ingweiler, Schwarzenacker. Eine Bildgeschichte aus der alten und neuen Zeit. Homburg 1989, S.174-175)


Version 2

"Zu Einöd, nahe Zweibrücken und Homburg, hatte eine reiche Jungfrau, die Tochter eines Bauern, einen armen, aber braven und wackeren Burschen, die Ehe verhießen. Des Mädchens Vater jedoch wollte nichts davon wissen und schalt und tobte so lange, bis sich der Jüngling entschloss, das Dorf zu verlassen und in die Fremde zu wandern. Er hoffte, in der weiten Welt sein Glück zu machen und bald als wohlhabend vor dem geldsüchtigen Alten zu erscheinen. Als er nun beim Abschied davon sprach, die Jungfrau werde ihm nicht die Treue halten, fing diese an sich zu verschwören mit den Worten:
"Wenn ich einen anderen als dich nehme, so hole mich der Teufel."

Martin, so hieß der Bursche, zog fort in die Fremde und ließ sich beim kaiserlichen Heer anwerben. Marie aber, das Mädchen, hielt sich von nun an einsam und zurückgezogen von ihren Gespielinnen. Da geschah es nach etlichen Monaten, als sie eines Tages an ihrem Fenster saß und arbeitete, dass ein stattlicher Reiter -es war der Sohn des Burgvogts von Zweibrücken- im Galopp die Straße heraufritt. In demselben Augenblick, als ihn Marie erblickte, bäumte sich das Ross des Jünglings und warf diesen mit einem Satz auf den Boden. Man trug den Unglücklichen in Mariens Haus, wo er von der Jungfrau mehrere Wochen sorgfältig gepflegt ward. Und was geschah? Nach der Wiederherstellung des Zweibrückers wurde Marie trotz ihres Schwures seine Verlobte.
Kurze Zeit drauf kam Martin vom kaiserlichen Heer zurück. Und als ihn die Nachricht traf von dem, was vorgegangen, verschwand er zur selben Stunde und niemand wusste, wohin er seinen Weg genommen.
Es war am Hochzeitstag um Mitternacht, als zwei fremde Jägerburschen in den Saal traten. Der eine hatte rabenschwarzes Haar und blitzende Augen. Der erfasste die Braut und riss sie im Tanz herum; zugleich verbreitete sich ein stinkender Schwefelgeruch. Schlag Zwölf erscholl ein höllisches Gelächter und der Rabenschwarze fuhr mit der Braut und dem Jäger zum Fenster hinaus. Der aber war niemand anderes als Martin, der sich dem Teufel verschrieben hatte.
Des anderen Tages fand man drüben auf der Wiese nahe Zweibrücken ein Wasserloch von unergründlicher Tief; ringsum war alles Gras wie vom Feuer verzehrt. Da war der Teufel mit seiner Beute hineingefahren, daher das Loch seinen Namen TEUFELSBRUNNEN davongetragen hat.
Alle sieben Jahre soll ein Kranz von weißen Rosen oben auf dem Wasser erscheinen und wieder versinken. Das Fenster aber, durch das der Böse den Weg nahm, blieb vermauert bis auf den heutigen Tag."

(aus: Gesangverein Einöd-Ingweiler (Hrsg.): Einöder Ortsgeschichte. Daten, Fakten, Ereignisse. Zweibrücken 1981, S.41)


Geschichtliches dazu:

Beschreibung des Teufelsbunnen
"Der Teufelsborn (bei Einöd gelegen)
dieser born stehet an den wissen in dem Teufelsgraben genannt/ es ist mehr sumpf oder bruch dan ein born/ er hat doch klares wasser/ ist etwan 10 schritt langk/ und 4 breit. Er ist grundlos/ hat nit vergebens den bösen namen/ dann etwan der Teufel do hinein gebannt oder darbey erschienen ist."

Aus der Beschreibung des Oberamtes Zweibrücken, 1563, Tilemann Stella


Das Teufelshaus in der neusten Dorfgeschichte

SZ, 28.01.1998
Einöd (he). Stillstand am Teufelshaus mit Tendenz zum Fortschritt: Stand das denkmalgeschützte Gebäude in der Hauptstraße 49 im Sommer nach dem Willen des Besitzers und Bauunternehmers Michael Schmidt noch auf dem Abrissprogramm, ruhen derzeit die Vorgänge um das historische und sagenumwobene Haus. Letztes Jahr flatterte der Unteren Bauaufsichtsbehörde eine Bauvoranfrage über einen Abriss des Teufelshauses auf den Tisch, nachdem das in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene Gebäude nach der Versteigerung den Besitzer gewechselt hatte (wir berichteten).
Die Behörde informierte den Homburger Denkmalpfleger und Stadthistoriker Dr. Klaus Kell, das Landeskonservatoramt wurde ebenfalls eingeschaltet. Nach einem Ortstermin mit allen Beteiligten stand fest, dass das Teufelshaus nicht abgerissen werden muss, eine Sanierung sei teuer, aber durchaus machbar.
Besonders historisch wertvoll ist der große Saal mit den dachtragenden Balken im 1. Obergeschoss und der Keller. Es wurde vereinbart, dass der Besitzer eine Bestandsaufnahme des Gebäudes vornimmt, um genauer zu klären, wie der Zustand ist und was zu tun ist. Das Landeskonservatoramt sollte gleichzeitig und unabhängig von Otto Schmidt ein Gutachten erstellen. Doch derzeit liegen beide Bestandsaufnahmen nicht vor, die Angelegenheit Teufelshaus ruht, während die dahinterliegenden, nicht denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude bereits zu Wohnungen umgebaut wurden. Es gab seither weder einen erneuten Antrag auf Abriss noch auf Umbau des Teufelshauses, wie Kell berichtet. Der Denkmalschützer ist skeptisch. ,,Man hat so ein bisschen den Eindruck, dass nichts gemacht werden soll. Für uns ist klar, dass das Teufelshaus nicht abgerissen werden darf, wir werden uns für den Erhalt einsetzen. Es wäre schlimm, wenn das Haus verfallen würde."
Kell weiß, dass die Sanierung keine billige Sache für den Besitzer wird und schätzt die Kosten vorsichtig auf 300.000 Mark. ,,Natürlich wäre es teuer, aber Einöd hätte ein Schmuckstück an der Hauptstraße. Die Hauruck-Methode, wie sie zuerst favorisiert wurde, können wir nicht gutheißen."
Auch wenn die Wirtschaftsgebäude nicht dem Denkmalschutz unterliegen, hätte sich Kell bei deren Umbau etwas mehr Sensibilität gewünscht, gerade weil Besitzer Schmidt vom Fach ist. ,,Das Gesetz sieht vor, dass das Umfeld eines denkmalgeschützten Gebäudes entsprechend gestaltet werden soll. Den Umbau habe ich leider auch erst mitbekommen, als es schon vorbei war", sagt Kell.
Auch der Einöder Ortsrat möchte das Teufelshaus erhalten. ,,Es ist klar, dass der Bauherr andere Vorstellungen hat als die, die der Ortsrat artikuliert hat", sagt Ortsvorsteher Otto Gravius. ,,Wir wollen das Äußere des Gebäudes erhalten, und man soll sich eben weiterhin an die historische Vergangenheit und die Sage erinnern."
Die Bestandsaufnahme ist von Otto Schmidt, der damals auch das Gutachten bei der Versteigerung erstellt hat, inzwischen abgeschlossen. Sie soll innerhalb der nächsten 14 Tage detailliert verschriftlicht und an die Homburger Denkmalpflege geschickt werden. ,,Das Haus ist in einem sehr schlechten Zustand", schildert Schmidt, ,,daran wurde vermutlich in den letzten 70 bis 80 Jahren nichts mehr gemacht. Es sieht innen wie eine Bruchbude aus."" Zu sanieren sei alles, es wäre aber eine Frage des Geldes, so Schmidt. ,,Wenn das Land die Mittel bereit stellt und die Stadt mithilft, wäre es vielleicht zu halten, ansonsten sieht es eher schlecht aus. Es hängt vom Denkmalschutz ab, was der dazugibt."

SZ, 12. März 1998
Einöd (he). Das Schicksal des denkmalgeschützten ,,Teufelshauses"" an der Hauptstraße (wir berichteten) ist weder besiegelt noch völlig geklärt: Besitzer Michael Schmidt, der Mietwohnungen für das Anwesen Nr. 49 vorgesehen hatte, ließ beim Ortstermin vor der gestrigen Ortsratssitzung überraschend durchblicken, daß er bereit ist, das sanierungsbedürftige Gebäude aus dem 17. Jahrhundert zu verkaufen. ,,Für mich ist es untragbar"", so Schmidt, dem bei ordnungsgemäßer Durchführung der erhaltenden Maßnahmen Kosten von mehreren Hundertausend Mark entstünden, die Zahlen reichten dabei bis 900.000 Mark.

 

Nachtrag

Bis heute wurde das Haus nicht verkauft, sondern steht gegenüber der Raiffeisenbank an Hauptstraße 49, verfällt zusehends. Aber steht immer noch.
Vielleicht ist es mit dem Teufel im Bunde...?

Nach-Nachtrag

Die Abrissgenehmigung wurde erteilt. In den kommenden Monaten, angeblich bis März 2003, soll es gefallen sein. Was danach kommt, wird abzuwarten sein.

 

... und ...

Der Teufelsbrunnen ist als solcher nicht mehr zu besuchen. Heute führt die Autobahn direkt über den schwarzen Tümpel. Allerdings existiert in unmittelbarer Nähe eine Kneipe, die den bezeichnenden Namen "Zum Teufelsloch" trägt.