Die Geschichte lebt in Schwarzenacker besonders intensiv.

Nicht nur, dass wir dort ein römisches Museum haben, nein. Die Steinzeit trat vor kurzem zu Tage!

Bei Sondierungsgrabungen in Schwarzenacker stießen Grabungsleiter Michael Emser von der Stadtdenkmalpflege Homburg und sein Team auf Keramikreste. Nicht irgendwelche Keramikreste oder die übliche römische Alltagskeramik. Sondern etwas Älteres. Etwas viel Älteres.

Ersten Schätzungen nach fanden sie Keramiken, die auf etwa 5000 Jahre vor Christus datiert werden müssen. Eingeordnet werden sie in die Jungsteinzeit, noch genauer in die Hinkelstein- Rössen- Zeit, die nach den ersten Fundorten so benannt wurde. Geschliffene Steinwerkzeuge, Keramik, Bogen, größere dörfliche Siedlungsgemeinschaften mit mehrjährig bewohnten Häusern kennzeichnen diese Epoche. Gleichzeitig begann der Mensch mit dem Anbau von Kulturpflanzen und der Haltung von Haustieren. Für lokale Kulturen war besonders die Keramik typisch, wie sie nun auch in Schwarzenacker gefunden wurde.

Halb im Scherz und ahnungsvoll hatte Emser bei Beginn der Sondierung vor drei Wochen gesagt: "Vielleicht entdecken wir Dinge, die älter als die römischen Fundstücke sind." Jetzt haben sich seine Worte bewahrheitet.

Sein Kollege Walter Reinhard vom Staatlichen Konservatoramt Saarbrücken sprach von einem "überregional bedeutsamen Fund". Gemeinsam gehen sie derzeit an die Bergung und Sicherung der Überreste. "Diese Kulturstufe war bislang im Saarland nicht vertreten", sagte Reinhard. "Bislang hat man in der näheren Umgebung nur eine Stelle im Moseltal entdeckt." Und wo Keramiken sind, da ist mit einer Siedlung zu rechnen. "Wir haben wahrscheinlich eine Abfallgrube gefunden, in der die Scherben lagerten", erklärte Reinhard. "Die Siedlungsvoraussetzungen waren hier sehr gut. Die Römer kamen nicht ohne Grund hierher."

Er geht davon aus, dass ein Fachwerk-Lehmhaus auf dem heutigen Acker gestanden haben muss, entsprechende Lehmspuren habe man bereits entdeckt. Der komplette Nachweis sei aber durch den Materialzerfall nicht leicht zu erbringen. Schwierig werde es auch, einen Hüttengrundriss auszumachen. Erosion, die Nutzung des Geländes als Acker und Pflug könnten Hinweise verteilt oder vernichtet haben.

"Wir machen derzeit keine großflächige Grabung. Wir haben ein breiteres Areal freigelegt, um mehr Scherben und damit eine exaktere Datierung vornehmen zu können", erläuterte Emser. "Allerdings haben wir noch keine römischen Funde entdeckt." Derzeit wird der Boden an dieser einen Stelle Schicht für Schicht abgetragen und auf Bruchstücke untersucht. "Danach zeichnen wir die Fundstelle und nehmen eine dreidimensionale Vermessung vor, um die Stelle jederzeit rekonstruieren zu können."

Die gefundenen Keramiken werden nach Saarbrücken ins Konservatoramt gebracht, gesäubert und gehärtet, damit die 7000 Jahre alten Zeugnisse menschlicher Siedlungskultur nicht zerfallen. Einige davon werden als Ausstellungsstück den Weg zurück nach Homburg finden.

Hintergrund der Sondierungsgrabung, die im Saarland Einmaliges zu Tage förderte: Im Abschnitt "W513" soll ein Neubaugebiet entstehen, die notwendige Probegrabung traf ins Schwarze. Bevor das 21. Jahrhundert seine Spuren in Schwarzenacker hinterlässt, muss das sechste Jahrtausend vor Christus erst gesichert werden. "Bis Ende der Woche wird die Sondierungsgrabung auf dem Feld abgeschlossen sein, Mitte Dezember sind die Gräben wieder verfüllt", sagte Emser. Im Jahr 2003 sind die Gärten der Anwohner mit Sondierungsgrabungen an der Reihe.

Allerdings, wer einen immensen materiellen Wert der Keramiken erwartet hat, der wird enttäuscht. "Die Fundstücke sind nur von wissenschaftlicher Bedeutung. Geld ist mit den Keramikscherben nicht zu machen", meinte Reinhard. Grabungsleiter Emser ist zufrieden. "Finden kann man bei Grabungen immer etwas. Aber so ein Glanzlicht dabei zu entdecken, das ist was Schönes."

Der November mausert sich zumindest in Homburg immer mehr zum "Fundmonat". Letztes Jahr um die gleiche Zeit präsentierte man mehrere massive Bronzeringe, zwei Gewandnadeln, zwei eiserne Trachtgegenstände und ein Tongefäß sowie eine 2,40 Meter große Stele. Sie stammten aus dem keltischen Hügelgrab in der Nähe des Rabenhorstes. Die Jungsteinzeit in Schwarzenacker übertrifft die Kelten allerdings.