Einöd hatte keine Kosten und Mühen gescheut, den Besuchern auch
eine Burg zu verschaffen, um Kirkel und Homburg die historische Stirn zu bieten.
Leider hat der Zahn der Zeit so sehr genagt, dass nichts mehr davon übrig
blieb.
Dennoch, es gab sie, die Einöder Burg!
Hier der Beweis, Auszüge aus dem Protokoll des Landeskonservators
Klein von 1929, als eine Sondierung des Geländes "Großwiese"
vorgenommen wurde.
"...wurde festgestellt, dass es sich um die Grundmauern eines 21,50
Meter langen und 10,10 Metern breiten Gebäudes handelt, an dessen Nordostecke
ein Bau von 6,60 Meter Länge und 3,30 Meter Breite angebaut worden war.
Durch zwei Zwischenmauern war das Gebäude in drei Räume unterteilt.
Die Stärke des Umfassungsmauerwerkes, 1,5 Meter auf 1,7 Meter, beweist,
dass es sich hier nicht um ein gewöhnliches Wohnhaus handelt, sondern
man kommt zu der Auffassung, dass das Bauwerk so stark erstellt wurde, damit
es verteidigt werden konnte.
Vermutlich handelt es sich bei den vorgefundenen Fundamenten um eine kleine
Burg, bei welcher der Palass (saalartiger Raum einer Burg) und Bergfried (Turm)
zu einem wehrhaften Palass oder Wohnturm zusammengezogen wurden.
Jedenfalls ist das Bauwerk als das einer Burg anzusprechen, die zu jener Zeit
auch Burgstall oder Burgstadel genannt wurde. Mit der Bezeichnung Burgstall
war ursprünglich die Stelle oder der Standort einer Burg, hernach die
Burg selbst so genannt worden. Erst am Ende des Mittelalters (16. Jahrhundert)
hat da Wort Burgstall die Bedeutung einer schon verfallenen Burg erhalten.
Meistens wollte man mit dem Ausdruck "Burgstall" nur die kleine
Burg des niederen Adels bezeichnen, und das wollte auch Tilemann Stella 1554
mit seiner Aufzeichnung zum Ausdruck bringen."
Jawoll! Wir haben eine Burg!
Und Kunst gab's gratis dazu:
"In dem mittelalterlichen Mauerwerk der Burg befanden sich auch drei
römische Skulpturstücke, nämlich:
1. Das Bruchstück einer Jagdszene.
Man sieht noch die mit Strümpfen und Schuhen bekleideten Beine eines
Mannes in der Tunika hinter den den Wald darstellenden Blättern eines
Baumes und die Hinterbeine zweier Jagdhunde.
2. zwei Bruchstücke von einem Viergötterstein
Beide gehören unstreitig zusammen.
Ferner fand man zwei Bruchtteile von römischen Leistenziegeln
im Bauschutt.
Es darf deshalb angenommen wohl angenommen werden, dass vor der Erbauung des
Burgstalles auf diesem Platz oder in seiner Nähe in der Kaiserzeit ein
Heiligtum errichtet worden war, weshalb ja auch Tilemann Stella außer
dem Burgstall noch einen "alten Heidenbuchel" erwähnt. Die
Erinnerung an irgendeine heidnische Sache auf diesem Grundstück muss
also zu Tilemann Stellas Zeiten, um 1554, noch wach gewesen sein und hat sich
bis auf den heutigen Tag (1929) erhalten. Denn von den hiesigen Bewohnern
wurde die Erhebung im Grundstück Wolf stets "Heidenhübel"
genannt. Die Trümmer einer mittelalterlichen Burg hätten sicherlich
nie die Bezeichnung "Heidenhübel" erhalten.
In dem Schutt, der zwischen den Fundamentresten lag, fanden sich noch Reste romanischer Säulen, die auf gekuppte romanische Fenster schließen lassen.
Nach all den Fundresten wird daher das Bauwerk sehr früh angesetzt
werden müssen, etwa in der Mitte des 10. Jahrhunderts, um 950.
Leider sind nur wenig Scherben gefunden worden, und es war nicht möglich
aus denselben ein Gefäß zusammen zu setzen.
Auffallend ist, dass sich in dem Schutt sehr viele abgebrochene Hirschgeweihe
und Rehgehörne vorfanden."
(Grundstück Oskar Wolf, Gewann In den Kaelberwiesen, Parzelle Nr. 1816/1818)